KBSAÄ Band I: Ägypten für Einsteiger. Ein kleiner Führer durch das Land der Pharaonen von Christian Huyeng

Der Autor über sein Buch

Während meiner Arbeit als Museumsführer habe ich immer wieder festgestellt, dass tatsächlich Bedarf nach einem wissenschaftlich fundierten, aber dennoch gut verständlichem Buch bestand. Mein kleines Büchlein erhebt nicht den Anspruch, alle Fragen, die Ihnen im Zusammenhang mit dem Alten Ägypten in den Kopf kommen, zu beantworten. Vielmehr soll es einen ersten Einblick und Überblick verschaffen und Lust auf mehr machen. Verstehen Sie es als einen Reiseführer für ein sehr fremdes und sehr fernes Land. Ich fasse für Sie kurz die in meinen Augen wichtigsten Aspekte der ägyptischen Kultur zusammen, von der Geographie des Landes, über das Leben der einfachen Bevölkerung, den Städtebau bis hin zu den thematischen „Dauerbrennern“ von Religion und Totenkult.

Ich habe mich ganz bewusst gegen eine chronologische Ordnung entschieden, da ich nicht die Geschichte Ägyptens nachzeichnen, sondern Ihnen ein erstes Verständnis dieser faszinierenden Kultur mit auf den Weg geben möchte.

Sie werden daher auch fast ganz auf Jahreszahlen verzichten müssen und auch bei den Nennungen der unzähligen und für den Anfänger oftmals verwirrenden Pharaonennamen war ich eher sparsam. Eine Liste im Anhang bietet dem Interessierten aber einen guten Überblick – denn wie ein guter Wissenschaftler müssen sie vor allem wissen, wo man nachschlagen kann!

Sie werden beim Lesen immer wieder auch auf kürzere Übersetzungen altägyptischer Texte stoßen. Ich habe mich dabei bemüht eine möglichst gut verständliche Sprache zu wählen ohne den Sinn dabei zu entstellen.

 

 

Interview mit dem Autor:

 

KBSAÄ:

Herr Huyeng, wie sind sie darauf gekommen ein Buch über das alte Ägypten zu schreiben?

 

Huyeng:

Ich habe lange Gruppen durch das Ägyptische Museum Berlin geführt - meine Führungen waren immer sehr beliebt und nachher haben mich die Leute oft gefragt: "Gibt es das, was sie da erzählen eigentlich irgendwo auch zum Nachlesen?".

 

KBSAÄ: 
Ja, und gibt es da nicht tatsächlich eine Menge? Also vom Fachbuch bis zum bonbonbunten Bilderband?

 

Huyeng:

Ja, das stimmt - allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Es gibt hervorragende Fachbücher, die auch außerhalb der Fachwelt gelesen werden, man denke an Jan Assmann oder Erik Hornung. Allerdings sind ihre Werke doch Fachbücher und richten sich an eine ganz bestimmte Leserschaft. Die Werke von Jan Assmann zum Beispiel sind genial, aber man braucht eben schon eine ganze Menge Vorwissen. Auf der andere Seite gibt es auf Deutsch dann vor allem Bildbände - hübsche Bilder aber wenig Inhalt. Für einen deutschen Ägyptologen gehört es sich nicht, populär zu schreiben.

 

KBSAÄ:

Und Ihr Buch ist etwas dazwischen?

 

Huyeng:

Ja, so kann man das wahrscheinlich ausdrücken. Ich stelle mir mein Buch gern als eine Art Reiseführer für ein weit entferntes und sehr, sehr fremdes Land vor. Deswegen habe ich mich auch gegen einen geschichtlichen Überblick entschieden. Die ägyptische Geschichte eignet sich auf Grund der Stellung des Königs natürlich ganz besonders für eine historische Beschreibung, aber viele Aspekte fallen dann einfach unter den Tisch.

 

KBSAÄ:

Zum Beispiel?

 

Huyeng:

Naja, also Themen wie die Ernährung der einfachen Bevölkerung, das Wirtschaftssystem oder auch die Sexualität! Die war aber auch bei den alten Ägypten ein wichtiger Teil des Lebens. Es geht mir mehr um einen Rundumschlag. Ich möchte eine erste Einführung in das generelle Thema "Ägypten" geben. Erschöpfend sind die Kapitel dabei natürlich nicht. Man könnte zu jedem einzelnen mindestens ein Buch schreiben...

 

KBSAÄ:

Ist das der wichtigste Unterschied?

 

Huyeng:

Nein, sicher nicht, aber wohl einer der auffälligsten - zumindest im deutschsprachigen Bereich. Die Engländer und Amerikaner sind da schon viel weiter als wir! Da ist es ganz normal, dass ein Ägyptologe populäre Bücher schreibt. Man lebt ja als Ägyptologe schon eine Art Kindheitstraum - man darf mit all diesen wundervollen Dingen arbeiten, lernt Hieroglpyhen und kann, mit etwas Glück, sogar an Grabungen teilnehmen. Das Fach hat ja erst einmal augenscheinlich keinen messbaren wirtschaftlichen Wert für eine Gesellschaft. Man muss das erworbene Wissen weitergeben, das ist ganz wichtig. In Wirklichkeit ist nämlich gerade die Ägyptologie doch ein großer Wirtschaftsfaktor. Schauen Sie sich mal an, in welches Museum ein Berlin-Besucher unbedingt geht: das Ägyptische, denn da ist ja Nofretete. Es stehen Schlangen vor den Ausstellungen mit Kopien der Schätze des Tutanachamun und die Einschaltquoten von Dokumentationen im Fernsehen sind ungebrochen hoch. Fast schon seltsam, dass es seit Jahrzehnten keinen großen Hollywood-Schinken mehr zu dem Thema gegeben hat. Die englischsprachige Ägyptologe hat diesen Wert des Faches gut verstanden. Sie nutzt das stete Interesse, kann ihr Wissen verbreiten und so auch einen gewissen Einfluss auf das Bild vom Alten Ägypten ausüben. Der deutschen Ägyptologie fehlt das völlig. Man überlässt das Feld anderen - ärgert sich dann aber über die Ergebnisse. Da wollte ich etwas entgegensetzen. Ich habe also ein Buch geschrieben, in dem ich als Ägyptologe sachlich richtig aber gut verständlich mein Wissen weitergeben kann. Die Sprache ist daher gut verständlich und ich habe versucht auf unnötige Fachbegriffe zu verzichten und die nötigen zu erklären. Eigentlich habe ich mir beim Schreiben vorgestellt, dass man das Buch auch sprechen können müsste, es ist also quasi eine eingefrorene Führung durch eine große ägyptische Sammlung!

 

KBSAÄ:

Wer ist die Zielgruppe?

 

Huyeng:

Lesen darf es natürlich jeder! Aber die Zielgruppe sind all die Menschen, die ein grundlegendes Interesse an der pharaonischen Kultur haben, die vielen Museumsbesucher, aber auch Ägypten-Reisende. Ich finde, gerade vor oder nach einem Museumsbesuch und noch mehr während eines Aufenthaltes am Nil macht das Lesen besonders Spaß. Ein Teil des Buches ist ja auch in Ägypten entstanden. Ich würde mich natürlich ganz besonders freuen, wenn Lehrer und Schüler das Buch im Unterricht zu diesem Thema verwenden würden.

 

KBSAÄ:

Herr Huyeng, ich danke Ihnen für dieses kleine Interview.

 

 


herausgegeben von Andreas Finger und Christian Huyeng